Perfektionismus: Der unsichtbare Spielverderber
Das wusste schon der Videokunst-Pionier Nam June Paik: „When too perfect, lieber Gott böse“. Und er meinte damit, dass absolute Perfektion unmenschlich sei. Und doch haben viele Erwachsene den Wunsch, sich ans Klavier zu setzen, um sofort „richtig“ spielen zu können. Klappt’s nicht auf Anhieb, dann sind wir schnell damit, uns selber mindere Begabung oder fehlendes Talent zu attestieren.
Das Problem: Die Erwartungen sind oft viel zu hoch angesetzt.
Denn machen wir uns nichts vor! Um mit Perfektion in technischer Ausführung und emotionalem Ausdruck Klavier zu spielen, braucht’s ein Leben lang.
Man sollte sich also klar darüber werden, was man mit dem Klavierspielen erreichen möchte.
- Nach so vielen Jahren möchtest du endlich deinem Genie freien Lauf lassen, um ein neuer Mozart zu werden? Sorry, das wird nichts.
- Du möchtest Musik (er)leben? Du willst ein Musikinstrument spielen, um emotionalen Ausdruck zu vermitteln, der in dir schlummert? Willkommen im Club der Unvollkommenheit! Bisher habe ich noch keine Musiker*innen kennengelernt, die von sich selber behaupten würden, perfekt zu sein.
Der Weg ist das Ziel
Wenn du als Erwachsene mit dem Klavier loslegen willst, dann leg die Erwartung ab, nach abgeschlossener Lernphase perfekt Klavier zu spielen. Es wird eher so sein, dass mit jedem neu erreichten Spielniveau Schwierigkeiten auftauchen, von denen du vorher nichts ahnen konntest 😀.
Das liegt nicht etwa daran, dass Klavier spielen immer schwieriger wird, je weiter man damit kommt. Es ist vielmehr so: Dein Horizont weitet sich mit jedem Schritt und eröffnet dir neue Ziele. Und das bedeutet, dass du deine Fähigkeiten und Repertoire erweiterst.