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Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ – Harmonien einfach erklärt

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Das erwartet dich in diesem Artikel

Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ gehört zu den bekanntesten Klavierstücken überhaupt. Wir analysieren die Harmonien und zeigen dir Schritt für Schritt, welche Akkorde hinter dem berühmten Klavierstück stecken.

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Klavierspielen umfasst sehr viele Aspekte und stellt damit zahlreiche Anforderungen an den Tastenmusiker. Während Geige und Trompete den Anfänger mit den Problemen der Intonation und des Ansatzes konfrontieren, ist beim Klavier anfangs die schiere Anzahl an Tasten eine wahre Herausforderung. Außerdem können nur das Piano und die Orgel ein Orchester ersetzen, dementsprechend komplex sind die Kompositionen für diese beiden Instrumente.

Genau deshalb ist es für den Pianisten so wichtig, auch fest im harmonischen Sattel zu sitzen. Je mehr man die Werke inhaltlich versteht, desto leichter fällt die Navigation durch das schwarz-weiße Tasten-Labyrinth. In unserer neuen Reihe beleuchten wir deshalb harmonische Aspekte einzelner Kompositionen und ihrer interessantesten Stellen. Wir fragen also: Welche Akkorde treffen wir dort an und warum? So entschlüsseln wir gemeinsam die Geheimnisse der klassischen Klaviermusik, heute mit Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ und seiner harmonischen Struktur.

Was steckt harmonisch in den ersten beiden Takten des Stücks?

Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ steht in der Tonart G-Dur und stammt aus seiner Sammlung Kinderszenen. Mit seinem sanften und gütigen Klang zählt es komponistenübergreifend zu den bekanntesten Klavierwerken. Falls du es aber noch nicht kennst, kannst du es dir hier anhören.

In den ersten beiden Takten sehen wir eine in sich geschlossene harmonische Figur, die aus vier Akkorden besteht und eine Analyse Wert ist.

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Die ersten beiden Takte der Komposition sind in sich geschlossen und bestehen aus vier Harmonien.

Auf der ersten Viertelzählzeit des ersten Taktes sehen wir die Tonika, also den Akkord der ersten Stufe. Die linke Hand spielt sukzessiv den G-Dur-Akkord in Grundstellung, während die rechte die Töne H und G doppelt. Dass die Viertelnote H hier Teil der Melodie ist, alle anderen aber zur Begleitung gehören, ist an dieser Stelle nicht wichtig, nur interessant.

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Die erste Harmonie des Stücks ist ein reiner G-Dur-Akkord.

Der zweite Akkord hat es in sich

Die zweite Harmonie sieht dagegen ein wenig wild aus und ist somit komplizierter zu bestimmen. Für sich genommen ergeben die Töne Cis-E-G-B einen verminderten Septakkord. In einer Dur-Tonleiter entsteht der verminderte Akkord aber auf der siebten Stufe, im Fall von G-Dur müssten wir also die Töne Fis-A-C-Es sehen. So kommen wir hier also nicht weiter, stattdessen müssen wir die Funktion des Akkords herausfinden.

Die fragliche Harmonie nutzt zwei zusätzliche Vorzeichen, die uns anzeigen, dass dieser Akkord eigentlich gar nicht in G-Dur vorkommt und von einer anderen Tonart ausgeliehen wird. In so einem Fall empfiehlt es sich, zuerst den Folgeakkord zu analysieren, um anschließend Rückschlüsse auf den zu bestimmenden Akkord ziehen zu können.

Wohin führt uns der zweite Akkord?

Auf der ersten Zählzeit des zweiten Takts haben wir aufwärts gelesen die Töne D, A, D, Fis und Fis. Das E am Schluss dient der Melodie lediglich als Durchgangston und spielt harmonisch deshalb keine Rolle. D, Fis und A ergeben zusammen den Akkord D-Dur, das ist die Harmonie auf der fünften Stufe unserer Tonart und damit deren Dominante.

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Nach dem mysteriösen Akkord landen wir anschließend auf der Dominante, also D-Dur.

Wir wissen nun also, dass der bisher unbekannte Akkord zum D-Dur in Takt 2 und damit zur Dominante hinleitet. Zudem sehen wir im Bass den Ton Cis, das ist auf den Ton D bezogen der sogenannte Leitton. Somit erwartet unser Ohr die Auflösung zum Halbton darüber und genau diese Bewegung sehen wir auch im Bass. Es könnte sich also wieder um eine Dominante handeln, dieses Mal aber um die von D-Dur, denn die beinhaltet ja das Cis als Leitton zum D.

Das sollten wir überprüfen. Die Dominante von D-Dur heißt A-Dur, dummerweise sehen wir beim zweiten Akkord keinen Ton A. Allerdings wissen wir ja schon von der Terz namens Cis und wir sehen in den Noten auch die Töne E und G, also Quinte und kleine Septime von A-Dur. Das sieht verdächtig nach einem Dominantseptakkord aus. Es fehlt lediglich der Grundton.

Das B wäre demnach die kleine None, die für eine zusätzliche Klangverschärfung oft in Dominanten eingesetzt wird. Und auch verkürzte Akkorde, also Akkorde ohne Grundton, sind keine Seltenheit. Damit haben wir die mysteriöse Harmonie identifiziert. Es handelt sich dabei um die verkürzte Doppeldominante A-Dur, mit kleiner Septime und kleiner None. Das durchgestrichene Akkordsymbol verdeutlicht den fehlenden Grundton.

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Der zweite Akkord ist ein verkürzter Dominantseptakkord mit kleiner None.

Umso einfacher ist der letzte Akkord bestimmt

Bleibt noch der vierte Akkord. Hier dürfen wir uns nicht vom Auflösungszeichen verwirren lassen, denn eigentlich ist das hier fehl am Platz. Es bezieht sich nämlich auf das Kreuz des Vortaktes, das aber laut Definition sowieso seine Wirkung mit dem nächsten Taktstrich verliert. Somit braucht es streng genommen gar keine Auflösung.

So oder so lesen wir in der zweiten Hälfte des zweiten Taktes aufwärts die Töne Fis-C-D-A. Das erinnert stark an den D-Dur-Akkord, den wir direkt davor hatten. Hier kommt lediglich die kleine Septime dazu, also haben wir hier wieder einen Dominantseptakkord. Funktional betrachtet ist es die Dominante der Tonart G-Dur mit zusätzlicher kleiner Septime. Hier noch einmal alle Akkorde und ihre Funktionen.

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Auch die letzte Harmonie ist ein Dominantseptakkord.

Fazit

Wärst du alleine auf das gleiche Ergebnis gekommen? Vergiss nicht: Aller Anfang ist schwer. Bleib dran, arbeite mit unseren Akkord-Workshops und schaue dir alle kommenden musikalischen Analyse an, damit auch du bald ganz alleine die harmonischen Geheimnisse von Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ und weiteren klassischen Klavierstücken entschlüsseln kannst.

 

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