Es ist wieder an der Zeit, klassische Musik auf dem Klavier zu spielen, heute mit: Maurice Ravel – Boléro. Dabei handelt es sich um eines der bekanntesten Werke, die die klassische Musik jemals hervorgebracht hat. Das instrumentale Stück gehört heute zu den ewigen Highlights der Klassik und ist unter anderem auf unzähligen Spotify-Playlisten und Best-of-Classics-CDs zu finden.
Besonders spannend ist, dass Ravel das originale Orchesterwerk selbst für Klavier zu vier Händen bearbeitet und veröffentlicht hat. Später nahm der Hage Verlag das berühmte Werk in dessen moderne zweibändige Sammlung Piano Classics auf und ließ sich bei seinen erleichterten Versionen der meditativen Instrumentalkomposition vielleicht sogar von Ravels eigener Bearbeitung inspirieren.
Maurice Ravel war ein ausgewiesener Klaviervirtuose und auch sein Werk ist untrennbar mit dem berühmtesten aller Tasteninstrumente verbunden. Er verwendete das Piano als zentrales Ausdrucksmittel seiner Musik, war zugleich aber auch ein leidenschaftlicher Orchesterkomponist. Ravel verschmolz beide Klangkörper dahingehend, dass er die orchestrale Klangvorstellung der Musik seiner Zeit auf eine bis dato unbekannte Weise auf das Klavier übertrug.
Grundsätzlich ist dieses Prinzip zwar bereits bei allen großen Komponisten seit Haydn zu beobachten, allerdings hatte Ravel durch seine herausragende Klaviertechnik und durch die Entwicklungen der Musik des frühen 20. Jahrhunderts bis dahin unbekannte Imitationsmöglichkeiten orchestraler Klangfarben. Für diesen Prozess waren unter anderem die von Liszt angestoßene Technikrevolution, die Götter der Orchestrierung Richard Wagner und Richard Strauss, die französische Moderne und der musikalische Impressionismus verantwortlich.
Name und Klang von Ravels Boléro gehen auf den gleichnamigen spanischen Tanz im ¾-Takt zurück, der bereits Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde. Auch dort gibt es in der Regel einen durchgängigen und charakterstiftenden Rhythmus. Ravel machte daraus ein unveränderliches und stoisches Rhythmuselement, das seine komplette Komposition durchzieht und dabei immer von der kleinen Trommel gespielt wird.
Fast wie bei einer Passacaglia präsentiert der Komponist auf dieser unerschütterlichen Basis die beiden mit der Zeit durch viele Instrumente und Orchestergruppen wandernden Hauptmelodien. Besonders das zweite Thema fällt dabei durch seine in der westlichen Klassik fremd wirkende Tonalität auf. Beide Themen werden von immer mehr Instrumenten gleichzeitig gespielt, wodurch der Boléro zunehmend an Fahrt aufnimmt.
Neben der genialen Orchestrierung wird der Spannungsbogen der Komposition zusätzlich vom riesigen Crescendo getragen, das die Lautstärke des Werks vom ersten bis zum letzten Takt stetig steigert.
Als Höreindruck der faszinierenden Komposition folgen das orchestrale Original, Ravels eigene Version für das Klavier zu vier Händen und Hayato Suminos interessante Fassung für zwei Klaviere, die aber vom gleichen Pianisten gespielt werden.
Nun kommen wir zur leichten Klavierversion, die es im entsprechenden Band der Piano Classics beim Hage Verlag gibt. Die beiden Arrangeure haben die originale Tonart C-Dur beibehalten und der linken Hand ein neues und vereinfachtes Begleitmuster zugedacht, das nicht aus Ravels bekanntem Rhythmus besteht.
So kommen in der linken Hand durch die komplette Bearbeitung hindurch nur Viertelnoten zum Einsatz. Trotzdem erfordert auch die leichte Klavierversion wahrscheinlich ein wenig Übung, damit die Begleitung stets stoisch, unbeirrbar und völlig frei von der rechten Hand gespielt werden kann.
Im viertaktigen Intro deutet die rechte Hand das rhythmische Ostinato des Originals an, präsentiert aber ebenfalls eine vereinfachte Version. Beide Themen schließen sich in der rechten Hand an, spätestens hier muss die linke Hand für einen stabilen Ablauf sehr sicher und autark sein. In den kurzen Zwischenspielen besinnt sich die rechte Hand auf den Rhythmus des Intros, der in dieser Stimme immer in Intervallen gespielt werden soll.

Um herauszufinden, ob du der erleichterten Fassung pianistisch gewachsen bist, kannst du dir hier einen Höreindruck dieser Version verschaffen.
Auch in der mittelschweren Version wurde die Partitur bei der Übertragung auf das Klavier etwas entschärft. Hier übernimmt die linke Hand den Boléro-Rhythmus zwar durch die gesamte Fassung, allerdings finden wir ihn hier erneut in erleichterter Form.
Die Arrangeure haben alle Triolen kurzerhand durch Achtel ersetzt, wodurch komplizierte 3-gegen-2-Situationen der beiden Hände vermieden werden. Somit erinnert die Stimme der linken Hand rhythmisch durchaus an Ravels Version, entspricht ihr aber nicht.
Die rechte Hand spielt die beiden Themen in der mittelschweren Fassung zunächst auch nur einstimmig, wechselt auf der zweiten Seite des Arrangements dann aber zu Intervallen, ehe sie sogar dreistimmig endet. Dadurch und durch den komplexeren Begleitrhythmus ist diese Version deutlich anspruchsvoller.

Auch im Fall von Ravels Boléro stellt der Hage Verlag zwei schöne Klavierversionen zur Verfügung, die von Einsteigern und Fortgeschrittenen gemeistert werden können. Ganz ohne Üben wird es aber wahrscheinlich nicht gehen, denn das gleichzeitige Spielen von Begleitung und Melodie hat durchaus seine Tücken.
Das liegt auch daran, dass die Melodie frei und improvisiert klingen soll, obwohl ihre Länge und ihr Verlauf recht ungewöhnlich sind. Beide Bände der Piano Classics findest du bei Thomann. Viel Spaß mit dem Boléro von Maurice Ravel auf dem Klavier.
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