Wenn es um Klassik geht, schauen wir bei pianoo.de natürlich besonders auf die Klaviermusik. Für kein Einzelinstrument wurde in den letzten 300 Jahren mehr Literatur verfasst, die Auswahl an Stücken ist also dementsprechend groß. Allerdings gibt es auch für andere Instrumente und Ensembles unglaublich tolle Musik, man denke dabei nur an Symphonien, Streichquartette oder Chormusik. Glücklicherweise kann man jede klassische Musik auf dem Klavier spielen, dafür wurden schon immer verschiedenste Werke auf das Piano übertragen.
Diese sogenannten Klavierauszüge können je nach Original aber sehr anspruchsvoll ausfallen und sind für Einsteiger in der Regel zu schwer. Und genau hier kommt der Hage Verlag ins Spiel. Deren Piano Classics präsentieren die 100 schönsten klassischen Melodien für Klavier in zwei Schwierigkeitsstufen – leicht und mittelschwer. So kann jeder Pianist diese wundervolle Musik am Piano genießen, ohne an komplexen Klavierfassungen zu verzweifeln. Wir stellen euch regelmäßig Stücke aus der zweibändigen Sammlung vor und starten heute mit: Bedřich Smetana – Die Moldau.
Smetana wurde 1824 in Tschechien geboren. Schon mit vier Jahren brachte ihm seine Mutter das Klavierspielen bei, woraus seine tiefe Liebe für das Instrument entstand. Als Heranwachsender erlebte er die Hochzeit der romantischen Klaviermusik und Komponisten wie Schumann, Mendelssohn und Chopin hautnah mit. Besonders Liszts Werk hatte es dem jungen Bedřich angetan. So drehte sich sein musikalisches Leben anfänglich fast ausschließlich um das Klavier, denn er war nicht nur als Pianist und Komponist erfolgreich, er gründete sogar seine eigene Klavierakademie.
Mit der Zeit widmete er sich allerdings immer mehr den Gattungen Orchestermusik und Oper. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die komische Oper „Die verkaufte Braut“ und Má vlast, ein sechsteiliger Zyklus sinfonischer Dichtungen. Darin verarbeitete er neben der Geschichte und Landschaft auch die Volksmusik seiner Heimat, wodurch er heute als Begründer der tschechischen Nationalmusik gilt.
Die Moldau ist der zweite Teil von Má vlast und stellt den gleichnamigen Fluss – von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe – musikalisch dar. Damit gehört das berühmte Werk zur sogenannten Programmmusik, die außermusikalische Inhalte kompositorisch nachstellt.
Die zweite Sinfonische Dichtung reiht sieben unterschiedliche Episoden aneinander, darunter eine Bauernhochzeit, die St. Johann-Stromschnellen oder der Nymphenreigen im Mondschein. Eingerahmt wird das Ganze vom berühmten Moldau-Thema, das auch in der Mitte des Werks zu Gehör kommt.
Falls du das emotionale Orchesterwerk noch nicht kennst, kannst du es dir hier anhören – gespielt vom Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter der Leitung von Alain Altinoglu. Einfach toll, wie Smetana den heimatlichen Fluss musikalisch darstellt.
Die leichte Klavierversion der Moldau wurde in die Tonart d-Moll transponiert und beschränkt sich auf die bekannte Hauptmelodie. Die linke Hand liefert das harmonische und rhythmische Fundament des Stücks. Die durchgängige Achtel-Begleitung ist schnell erlernbar und weißt wenige Sprünge auf. Auf der zweiten Seite kommt in zwei Takten die verkürzte Doppeldominante zum Einsatz (E7 ohne Grundton), ansonsten bewegt sich die Bearbeitung des berühmten Werks streng im harmonischen Rahmen einer d-Moll-Kadenz.
Die rechte Hand konzentriert sich auf die Melodie, die vom Bearbeiter konsequent einstimmig gesetzt wurde. Die leichte Fassung des Stücks eignet sich sehr gut für Einsteiger, die bereits Erfahrung mit verschiedenen Tonarten, Melodie- und Begleitspiel, sowie Dynamik und Agogik gemacht haben.

Falls du noch Schwierigkeiten beim Umsetzen von Notentext in Klang haben solltest, kannst du dir über das folgende Video einen Höreindruck dieser Version verschaffen.
https://www.youtube.com/watch?v=VfVgXFqG0oE
Die mittelschwere Klavierversion
Auch die mittelschwere Klavierversion der Moldau steht in d-Moll, ist insgesamt aber merklich schwerer. Sie beginnt mit einem kurzen Vorspiel, das aus Sechzehnteln besteht und die Quellen der Moldau imitiert, die in der Orchesterfassung von Flöten gespielt werden. Die linke Hand ist hier schwieriger, da sie teilweise eine ganze Oktave umfasst. Zudem finden sich in den Noten zusätzlich Pedalinformationen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Die rechte Hand hat außerdem zweistimmige Passagen und im weiteren Verlauf werden vom Pianisten sogar volle Akkorde, Oktaven und Legato-Spiel verlangt. Dadurch klingt die mittelschwere Version aber auch besser, oder?

https://www.youtube.com/watch?v=RlYrzHbTZ8E
Du siehst, erleichterte Versionen berühmter Klassikwerke klingen auch am Piano toll. Für welche Fassung der Moldau du dich auch entscheidest, wir wünschen dir viel Spaß beim Lernen und Spielen dieser wundervollen klassischen Musik auf dem Klavier. Hier sind noch zwei Notenhefte in den Schwierigkeitsstufen leicht und mittelschwer. Beide Hefte vom Hage Verlag bekommst du unter anderem bei Thomann.
Welche Klavierstücke man lernt, das hängt vom Musikgeschmack ab. Tipps & Anregungen hier in diesem Tutorial und im PIANOO-Podcast.
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