Unsere neue Serie Die besten Akkordfolgen am Klavier – einfach erklärt rückt die musikalischen Harmonien in den verdienten Vordergrund. Spätestens seit dem Barock sind Akkordprogressionen ein wesentlicher Bestandteil der Musik, nach dem Verblassen der Polyphonie wurden sie durch das vertikale Prinzip der Klassik zunehmend wichtiger. Die Kadenz, eine der ersten Chord-Changes überhaupt, nahm so immer mehr Raum in den Kompositionen von Haydn, Mozart und Beethoven ein.
Und auch in der Popmusik sind Akkordfolgen längst nicht mehr wegzudenken, egal, ob bei den Beatles, Lady Gaga oder Taylor Swift. Seitdem der Hip-Hop mit seinem repetitiven Loop-Charakter Anfang der 2000er die Musikwelt im Sturm eroberte, wurde es sogar üblich, dass Strophen und Refrain eines Songs die gleichen vier Harmonien nutzen. Wir stellen künftig die besten Akkordfolgen am Klavier vor und erklären sie gewohnt einfach.
Mittlerweile dürfte jeder „die berühmteste Akkordfolge“ der Welt kennen. Sehr viele berühmte Hits wie Let it be, Can You Feel The Love Tonight, Forever Young oder Where Is The Love nutzen die gleichen vier Akkorde in genau dieser Reihenfolge: C-G-Am-F. Diese Wendung enthält sowohl Trug- als auch Plagalschluss und findet in einem Dur-Kontext statt.
Stellt man die Akkorde allerdings um, erhält man ein ganz anderes Klanguniversum. Beginnend mit dem einzigen Mollakkord der Sequenz ergibt sich ein völlig neuer mollgeprägter Vibe, der viel mehr nach Popmusik klingt. Dafür ist besonders der zweite Akkord verantwortlich, denn nur in der populären Musik findet nach der Molltonika fast immer die Harmonie auf der sechsten Stufe statt. Aber auch die ausbleibende I-V-Verbindung mit ihrem klassischen Sound hat damit zu tun. So ergibt sich beispielsweise diese Akkordfolge: Am-F-C-G.

Schauen wir uns zuerst die musiktheoretische Seite an. In der Tonart a-Moll begegnen wir den gleichen Akkorden wie in C-Dur. Da beide Tonleitern aus den gleichen Tönen bestehen, stimmen auch die darin enthaltenen Harmonien überein.

Wie in jeder Molltonleiter gibt es auch in a-Moll sieben verschiedene Töne und damit sieben Harmonien. In Moll finden wir den verminderten Akkord immer auf der zweiten Stufe, der in der Popmusik aber so gut wie keine Rolle spielt, somit ist er an dieser Stelle zu vernachlässigen. Bleiben sechs Akkorde und die Stufen 1, 3, 4, 5, 6 und 7.

Im natürlichen Moll stehen die Hauptfunktionen Tonika, Subdominante und Dominante alle in Moll, hier sind das a-Moll, d-Moll und e-Moll. Bei den anderen drei Harmonien handelt es sich um deren Dur-Parallelen.

Die Funktionsanalyse unserer Akkordfolge ergibt demnach: Am-F-C-G entspricht der Tonika, Subdominantparallele, Tonikaparallele und Dominantparallele. Das hört sich sehr technisch an, ist aber dann besonders wichtig, wenn du die Akkordfolge in anderen Tonarten spielen willst. Alle Harmonien ändern sich dann zwar, die Funktionen bleiben aber immer gleich. Das wird dir helfen, die richtigen Akkorde der neuen Tonart zu finden.

Am Klavier gibt es immer zwei Möglichkeiten, Akkorde zu spielen. Zum einen kann sich die linke Hand um die Harmonien kümmern, entweder im Blocksatz, also simultan gespielt, oder als Begleitmuster à la Chopin.

Werden die Akkorde hingegen von der rechten Hand übernommen, ist es wichtig, dass du mit Umkehrungen arbeitest. So kannst du den Klang deines Klavierspiels stark erweitern und lebendiger gestalten.

Du kannst das reine Akkordspiel mit einer Melodie aufpeppen. Sehr interessant ist es beispielsweise, ein weiteres musikalisches Prinzip über die Akkordfolge zu legen, zum Beispiel eine absteigende Tonfolge, die sich durch die ganze Progression zieht. Dadurch ergeben sich verschiedene Akkordlagen, musikalische Zufälle und kleinere Dissonanzen, die sich mit der absteigenden Linie automatisch wieder auflösen. Zum Beispiel so:

Inspiration für den Umgang mit dieser tollen Akkordfolge in Moll kannst du dir bei vielen Hits holen, die aus diesen Harmonien in genau dieser Reihenfolge bestehen. Numb von Linkin Park basiert bis auf kleinere Zwischenteile komplett auf dieser Akkordsequenz, genau wie Enrique Iglesias Bailando. Bon Jovi setzt unsere Chord-Progression in ihrem Hit It’s My Life ein und selbst der Refrain von Totos Africa nutzt unsere vier Akkorde, wenn auch in einer anderen Tonart. Erkennst du die Harmonien in den folgenden Songs wieder?
Linkin Park – Numb
Enrique Iglesias – Bailando
Bon Jovi – It’s My Life
Toto – Africa
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