Bill Evans war nicht einfach nur ein Jazz-Pianist. Er war ein Klanggenie, das die Musik mit seinen legendären Piano-Performances nachhaltig verändert hat. Er injizierte den Jazz seiner Zeit mit frischen Ideen und ebnete den Weg für ein neues Harmoniekonzept. Auch Miles Davis war von Bills musikalischer Vision überzeugt, deshalb holte er den zuvor aus seiner Band ausgeschiedenen Pianisten extra für die Aufnahmen von Kind Of Blue zurück.
Bill Evans kehrte der Virtuosität des Bebops den Rücken und half dabei, den Cool Jazz zu etwas Neuem zu katalysieren. So trug er zur Verdrängung der funktionalen Harmonik und der Entwicklung modaler Strukturen im Jazz bei. Und mit seinem lyrischen und reduzierten Piano-Stil und seiner außergewöhnlich emotionalen Ausdruckskraft beeinflusste er Musiker wie Herbie Hancock, Chick Corea, Keith Jarrett und Brad Mehldau.
Jazzmusiker greifen oft auf Standards anderer Komponisten zurück, Waltz For Debby wurde aber von Bill Evans selbst geschrieben. In der Version für Solo Piano wurde das Stück erstmals 1956 auf dem Album New Jazz Conceptions veröffentlicht. Seinen wahrscheinlich bekanntesten Song komponierte der Pianist für seine Nichte, die damals drei Jahre alt war. Das Thema ist passenderweise recht einfach, wird aber durch eine absteigende Basslinie mit chromatischem Einschlag harmonisch angereichert. Sechs Jahre später wurde Waltz For Debby zum Title-Track des gleichnamigen Live-Albums, das Evans mit seinem Trio einspielte. Interessant, wie unterschiedlich Bills Spiel in beiden Versionen ausfällt.
Tony Bennett und Bill Evans haben zusammen zwei Studioalben aufgenommen und veröffentlicht. Together Again erblickte 1977 das Licht der Welt und bestand aus insgesamt zehn Tracks. Bereits vor der Veröffentlichung fanden sich die beiden Akteure vor ein paar Kameras zusammen und produzierten eine Art TV-Special. Dafür mischten sich die Songs beider Alben zu einer unwiderstehlichen Kombination und einer unvergesslichen Sternstunde der Musik. Wundervoll, wie sich Pianist und Sänger musikalisch ergänzen.
1995 veröffentlichte das berühmte Verve Label das dreiteilige Box-Set The Complete Gershwin Songbooks. Auf der rein instrumentalen dritten CD befinden sich auch zwei legendäre Piano-Performances von Bill Evans. Seine hinreißende Version für Solo-Klavier von I Loves You Porgy spielte das Klavier-Genie bereits 1968 beim Montreux Jazz Festival, die selbst heute ihre Wirkung nicht verfehlt. Toll, wie Bill mit weichen Klangfarben ein berührendes und leidenschaftliches Sound-Gemälde erschafft. George Gershwin wäre von dieser wundervollen Version sicherlich begeistert gewesen.
1963 spielte der amerikanische Jazz-Pianist das Album Conversations with Myself ein. Es stellt im Prinzip eine Mischung aus Solo- und Trio-Album dar. Zu hören ist zwar nur der Tastenmusiker, der aber drei unterschiedliche Klavier-Parts übernimmt, die nachträglich übereinander gelegt wurden. Das für die Aufnahmen verwendete Instrument, ein Steinway-Flügel, gehörte dem klassischen Pianisten Glenn Gould, der mit Evans Werk vertraut und einverstanden war. Über seine sechs Hände kann sich Bill bei Just You, Just Me musikalisch so richtig austoben.
Midnight Mood stammt ursprünglich aus der Feder der österreichischen Jazz-Legende Joe Zawinul. Bill hat den Song 1968 für sein Album Alone in einer intimen Version für Solo Piano aufgenommen. Seine harmonische Poetik prägt den Track klanglich, auch wenn das Solo im Mittelteil und dessen Begleitung stilistisch hin und wieder an Oscar Peterson erinnern. Durch diese interessante Klangmischung ist Midnight Mood ein weiterer wunderbarer Beweis für das musikalische Genie von Bill Evans.
Als kleine Zugabe möchten wir dir noch Some Other Time ans Herz legen. The Complete 1961 Village Vanguard Recordings fangen den Live-Gig ein, den Bill mit seinem Trio am 25. Juni desselben Jahres in New York City gespielt hat. Das 3-CD-Werk gilt auch heute noch als eines der besten live-gespielten Jazz-Alben aller Zeiten. Der Song, den Leonard Bernstein für sein Musical On The Town komponiert hat, war Teil der Setlist. Bill Evans spielte den Song aber nicht nur in diesem Konzert. Die ersten beiden Akkorde des Stücks dienten ihm außerdem als Inspiration für sein improvisiertes Peace Piece.
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