Egal welches Tasteninstrument für die Keyboard-Performances von Julian „J3PO“ Pollack benutzt wird, das Ergebnis ist immer beeindruckend. Nicht wirklich verwunderlich, wenn die Mutter eine Konzertpianistin und der Vater Professor am Berklee College of Music ist. So ist Julian eigentlich auf dem Klavier zuhause, er rockt aber auch auf E-Pianos und der Orgel, die unterschiedliche Spieltechnik erfordern.
Außerdem dreht sich sein künstlerisches Schaffen immer wieder um verschiedenste Synthesizer, Sampler und Gitarrenpedale, die er gekonnt in seine Performances einbaut, egal ob Solo, im Trio oder mit größeren Ensembles. Dass er auf dem Gebiet der Synthese ein Experte ist, zeigen unter anderem seine Tätigkeit als Sounddesigner für Nord, Sequential und Oberheim, sowie seine Omnisphere-Tutorials auf dem Kanal von Spectrasonics.
Schon beim ersten Video hören wir, wie musikalisch der außergewöhnliche Keyboarder spielt. Er führt verschiedene Piano- und Organ-Presets des Nord Stage 4 vor und passt sein Spiel gekonnt an die verschiedenen Sounds an. Die elf musikalischen Miniaturen klingen trotz aller harmonischen Finessen dynamisch und emotional, und featuren Jazz, Neo-Soul, Funk, Gospel und Avantgarde.
Ernster geht es bei Dream/Vol a Calgary zu, einer modernen Trio-Performance mit Bass und Schlagzeug. Julian spielt neben einem reinen Piano-Sound auch ein butterweiches E-Piano, mit dem der Track beginnt. Für das Hauptthema kommt dann ein Synth-Brass-Patch vom Prophet Synthesizer zum Einsatz. Viele unterschiedliche Parts sorgen in den knapp zehn Minuten für Abwechslung, für die Julian neben einem Sampler auch verschiedenen Gitarrenpedale in seine Performance einbindet.
Eine fantastische Piano-Begleitung zaubert J3PO auf seinem Nord Grand hervor. Er unterstützt J. Hoard bei Bonnie Raitts klassischer Ballade I Can’t Make You Love Me und hält sich dabei hauptsächlich im musikalischen Hintergrund, um dem ausdrucksstarken Sänger genügend Raum zu geben. Julian spielt entsprechend ruhig und gefühlvoll, und passt sich so gekonnt seinem musikalischen Partner an.
Alle großen Musiker teilen ihre Leidenschaft für die Musik von Johann Sebastian Bach, da ist auch Julian Pollack keine Ausnahme. Der Keyboarder spielt Präludium und Fuge in Cis-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier Band I, allerdings nicht etwa auf einem Klavier. Er verpasst dem zweiteiligen Werk einen modernen Anstrich, in dem er seinem Synthesizer benutzt. Das ist klanglich durchaus interessant, da die Töne dort nicht so schnell verklingen, wie auf einem akustischen Klavier. Was Bach selbst wohl dazu sagen würde?
Perfekten Neo-Soul gibt es im folgenden Video, für den amerikanischen Pianisten handelt es sich dabei aber nur um just another rhodes jam. Sein Fender Rhodes Mark I stammt aus dem Jahr 1973 und klingt einfach phänomenal. Alle anderen Spuren des Tracks hat Julian mit Plugins und dem bereits bekannten Prophet 10 erzeugt.
Wir schließen die 5 faszinierenden Keyboard-Performances von Julian „J3PO“ Pollack mit einer Zugabe: The Water is Wide. Der Piano-Part der Solo-Darbietung ist sehr gefühlvoll und wird von einem schönen Klangteppich untermalt, den der Keyboarder selbst erzeugt. In der zweiten Hälfte des Songs wechselt der Tastenmusiker dann aber zu rein elektronischen Klängen. Auch in dieser Sound-Welt fühlt er sich zuhause.
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