Und wieder stellen wir in unserer Rubrik Klassische Musik auf dem Klavier spielen einen absoluten All-Time-Klassiker vor: Johann Pachelbel – Kanon in D-Dur. Während das Stück zu Lebzeiten des Komponisten keinen besonders großen Anklang fand, entwickelte es sich seit den 1960er-Jahren zu einem der beliebtesten Werke der Klassik. Bei unzähligen Hochzeiten diente das Instrumentalstück bereits als musikalische Untermalung.
Der Hage Verlag hat die 100 schönsten klassischen Melodien in seiner zweibändigen Sammlung Piano Classic zusammengefasst. Besonders daran ist, dass dafür auch Werke auf das Klavier übertragen wurden, die ursprünglich für andere Instrumente geschrieben wurden. Dazu gehört Pachelbels Kanon, den es beim Hage Verlag in leichter und mittelschwerer Fassung gibt.
Johann Pachelbel wurde 1653 in Nürnberg geboren und starb dort 1706. Das Klavier, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Stattdessen waren die beiden wichtigsten Tasteninstrumente seiner Zeit die Orgel und das Cembalo.
Als Organist war Pachelbel deutschlandweit aktiv und arbeitete unter anderem in Nürnberg, Erfurt, Gotha und Eisenach. Den Großteil seines Werks für Tasteninstrumente hat er für Orgel komponiert, darunter Toccaten, Fantasien, Fugen und Choralbearbeitungen.
Sprach man im Barock dagegen von „Claviermusik“, waren damit Kompositionen für das Cembalo gemeint. Ausgewiesene Solowerke für das Tasteninstrument mit dem metallischen Klang gibt es von Pachelbel nur wenige.
Allerdings kam der Vorläufer des heutigen Klaviers regelmäßig im Generalbass zum Einsatz, der wiederum ein wichtiger Bestandteil der barocken Kirchenmusik war. Der Basso continuo ist eine Begleitform, bei der eine Bassstimme oft von einem Tasteninstrument mit passenden und meist improvisierten Harmonien ergänzt wird.
Der ursprüngliche Titel des Kanons lautet Canon per 3 Violini con Basso continuo. Drei kanonisch geführte Geigenstimmen werden also mit dem Generalbass begleitet.
Pachelbels Manuskript zeigt, dass der Komponist für diese Aufgabe konkret das Cembalo vorgesehen hat. Die anschließende Gigue verlor über die Jahrhunderte ihre Relevanz, deshalb wird der Kanon in D-Dur aus heutiger Sicht als Einzelkomposition gesehen und auch so aufgeführt.
Kompositorisch fällt auf, dass Pachelbel die polyphon anmutende Kanon-DNA mit dem Erbmaterial einer Passacaglia kreuzt. Letztere basiert nämlich auf einem wiederkehrenden Bassschema, über dem verschiedene musikalische Variationen geschichtet werden.
Die Mischung von Kontrapunkt und Harmonie ist allerdings keine Erfindung des deutschen Komponisten und wurde schon seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts praktiziert.
Für einen Höreindruck des barocken Meisterwerks hören wir nun das Ensemble Voices of Music. Die Spezialisten für Alte Musik spielen den Kanon auf historischen Instrumenten, die für einen zeittypischen Klang auch auf Metallteile wie Kinnstützen oder Feinstimmer verzichten. Außerdem berücksichtigen die Musiker überlieferte Spiel- und Bogentechniken.
In der leichten Klavierversion des Kanons wurde das instrumentale Stück nach G-Dur transponiert, so gibt es also nur ein Vorzeichen zu beachten. Zudem wurden die Notenwerte verdoppelt, dadurch wird das Tempo des Stücks nicht nur halbiert, längere Notenwerte wirken auf Einsteiger in der Regel nicht so „bedrohlich“.
Der kleinste zu spielende Notenwert ist in dieser Version damit die Achtel. Das Ostinato besteht in diesem Arrangement also aus halben Noten und nimmt insgesamt vier Takte in Anspruch.
Ebenfalls erleichternd wirkt, dass außer dem Ostinato nur die erste Geigenstimme notiert wurde. Alles Weitere hätte den Rahmen dieser leichten Version gesprengt. Außerdem fehlen die letzten acht Takte der Stimme, die aus Sechzehnteln bestanden hätte.
In Rücksichtnahme auf den Schwierigkeitsgrad haben die Arrangeure aus dem Kanon also eine verkürzte einstimmige Melodie über ein Ostinato gemacht. Trotzdem klingt die leichte Fassung sehr gut. Es folgen ein Notenausschnitt und das entsprechende Video für den Höreindruck.

Die Verdopplung der Notenwerte wurde auch für die mittelschwere Klavierversion übernommen, genau wie die Reduktion auf die erste Stimme des dreistimmigen Kanons. Und auch sonst sind sich beide Fassungen sehr ähnlich.
Die mittelschwere Version findet allerdings in C-Dur statt, teilt die Töne an manchen Stellen unterschiedlich auf die beiden Hände auf und setzt Stimmteile in ihrer originalen Tonhöhe ein. Außerdem wurde die Melodiestimme hier komplett übernommen, einschließlich der in der leichten Version fehlenden Sechzehntelstelle.

Über die beiden Videos kannst du in Ruhe für dich herausfinden, welche Klavierversion die richtige für dich ist. Den leichten und den mittelschweren Band der Reihe Piano Classic vom Hage Verlag findest du unter anderem bei Thomann. Viel Spaß beim Spielen des Kanons in D-Dur von Johann Pachelbel auf dem Klavier.
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