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J.S. Bach Präludium in C-Dur – Harmonien einfach erklärt I

Bachs Harmonien entschlüsselt
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Das erwartet dich in diesem Artikel

Johann Sebastian Bach: Präludium in C-Dur BWV 846 – es gehört zu den bekanntesten Klavierstücken überhaupt. Wir analysieren die Harmonien und zeigen dir Schritt für Schritt, welche Akkorde hinter dem berühmten Klavierstück stecken.

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Harmonien einfach erklärt – unser Analyse-Feature geht in die zweite Runde, heute mit Johanns Sebastian Bach: Präludium in C-Dur BWV 846. Der bekannteste Barock-Komponist hat mit diesem Stück bereits vor mehr als 300 Jahren einen zeitlosen Klavier-Klassiker erschaffen, der mit anderen All-Time-Classics wie Für Elise, dem ersten Satz der Mondscheinsonate oder der Träumerei von Schumann längst einen festen Platz im Olymp der Klaviermusik inne hat.

Neben seiner komplexen Polyphonie war Bach auch ein wahrer Meister im Verteilen von harmonischer Energie. Sein Umgang mit Spannung und Entspannung, oft über einen Orgelpunkt, war schlichtweg genial und erstreckte sich teilweise über viele Takte. Auch das Präludium in C-Dur basiert auf diesem Prinzip, da es keine „richtige“ Melodie enthält und nur aus gebrochenen Akkorden besteht. Welche das sind, wie wir sie bestimmen können und wie sie zusammenhängen, entschlüsseln wir jetzt.

Präludium in C-Dur – Klaviernoten

Mit dem Präludium in C-Dur eröffnet Johann Sebastian Bach seine berühmte Sammlung von Präludien und Fugen: Das Wohltemperierte Klavier. Bach selber hat die Stücke dem Clavier gewidmet, womit grundsätzlich „Tasteninstrument“ gemeint war. Heute ist es freilich das Klavier mit „K“, aber grundsätzlich lässt Bach damit die Wahl des Tasteninstruments frei.

Als Klaviernoten üblich ist der Band „Das Wohltemperierte Klavier“, der in zwei Bänden von verschiedenen Verlagen angeboten wird. Das Präludium in C-Dur ist das erste Stück in Band I, es ist aber auch einzeln erhältlich.

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Das Präludium in C-Dur

Vom Titel des Werks wissen wir ja bereits, dass es in C-Dur steht. Vorzeichen sind also erst einmal nicht zu erwarten. Wir nehmen uns die ersten vier Akkorde des Klavierstücks für unsere Analyse vor.

02 PRAELUDIUM I NEU
Das sind die ersten vier Takte des Präludiums in C-Dur von Johann Sebastian Bach.

Du kennst bestimmt schon das komplette Präludium, falls doch nicht, spielt es dir Alexandre Tharaud gerne vor.

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Wie analysiert man eigentlich Akkorde?

Da sich bei diesem Stück mit jedem Taktstrich die Harmonie ändert, müssen wir also insgesamt vier Akkorde bestimmen. Aber wie genau funktioniert das eigentlich?

Wie wir bereits im ersten Takt dieses Präludiums sehen, kommen Akkordtöne in einer Komposition oft mehrfach vor. Denn sowohl die rechte als auch die linke Hand spielen hier die Töne C und E. Im ersten Schritt kürzen wir alle doppelten Töne einfach raus, damit jeder Ton nur noch einmal vorkommt – so ähnlich, wie das manchmal in der Mathematik praktiziert wird. Wir streichen also C und E der rechten Hand, so bleiben die Töne C-E-G auf beide Hände verteilt stehen. Für mehr Übersicht schreiben wir alle Töne anschließend in eine Hand. Jetzt siehst du ganz leicht, dass es sich dabei um einen C-Dur-Akkord handelt.

Der erste Akkord des Präludiums ist schnell bestimmt.
Der erste Akkord des Präludiums ist schnell bestimmt.

Bestimmung des Grundtons

Aber was, wenn du die Harmonie nicht auf den ersten Blick erkennst? Schauen wir uns den zweiten Akkord des Präludiums an, der ist nämlich ein wenig komplizierter. Das D in der rechten Hand können wir streichen und das hohe F oktavieren wir nach unten, damit die Töne näher beieinander liegen. Dann schreiben wir wieder alle Töne in die rechte Hand und lesen aufwärts somit die Töne C-D-F-A.

Ohne gedoppelte Töne besteht der zweite Akkord aus vier verschiedenen Tönen.
Ohne gedoppelte Töne besteht der zweite Akkord aus vier verschiedenen Tönen.

Offensichtlich haben wir hier einen vierstimmigen Akkord, aber darum kümmern wir uns später. Außerdem fällt auf, dass die unteren beiden Töne direkt nebeneinander liegen. Dadurch wissen wir automatisch, dass es sich hierbei nicht um die Grundstellung handelt. Denn wird eine Harmonie in deren Grundstellung notiert, muss zwischen den Akkordtönen immer genau ein Ton ausgelassen werden. C und D liegen aber direkt nebeneinander.

Wir müssen die unteren beiden Töne also trennen, deshalb oktavieren wir das C nach oben. So erhalten wir den folgenden Akkord, der dann perfekt in Terzen geschichtet wird.

In der Grundstellung ist ein Akkord immer dann notiert, wenn er in Terzen geschichtet wird.
In der Grundstellung ist ein Akkord immer dann notiert, wenn er in Terzen geschichtet wird.

Jetzt haben wir also die Grundstellung, somit ist der unterste Ton auch der Grundton des Akkords, hier ist es ein D.

Bestimmung des Tongeschlechts

Nun geht es noch darum, welche Art von Akkord auf dem D aufgebaut wird. Du weißt sicherlich, dass wir vier Akkordtypen kennen. Am besten merkst du dir die Halbtonschritte, die du bei den vier Typen vom ersten zum zweiten und vom zweiten zum dritten  Ton gehen musst.

Die vier Akkordtypen:

  1. Für Dur sind das vom Grundton aus zuerst vier und von der Terz aus dann drei Halbtonschritte.
  2. Bei Moll ist das genau anders herum, also erst drei und dann vier.
  3. Beim verminderten Akkord sind es zweimal drei Halbtonschritte,
  4. beim übermäßigen Akkord zweimal vier.
Hier siehst du die vier Akkordtypen und deren Tonabstände in Halbtonschritten.
Hier siehst du die vier Akkordtypen und deren Tonabstände in Halbtonschritten.

Nach diesem System müssen wir beim zweiten Akkord des Präludiums also nur noch die Halbtonschritte zählen. Um vom Grundton D zum zweiten Ton F zu kommen, gehen wir drei Halbtonschritte nach oben, vom F zum A dann nochmal vier.

Wir haben hier also d-Moll, zu dem die kleine Septime hinzukommt. Insgesamt heißt der vierstimmige Akkord demnach d-Moll7. Man kann die Zahl auch tiefstellen, damit wird direkt ersichtlich, dass sich die Septime im Bass befindet: d-Moll7.

Fast geschafft

Da wir im vierten Takt des Stücks offensichtlich wieder zu C-Dur zurückkehren, bleibt demnach nur noch die Analyse der dritten Harmonie. Dabei halten wir an unserer Vorgehensweise strikt fest.

  1. streichen wir doppelte Töne und damit das D der rechten Hand.
  2. ist das F auch hier wieder sehr hoch und wird für mehr Übersicht nach unten oktaviert.

Somit erhalten wir die Töne H-D-F-G und notieren diese drittens in der rechten Hand.

Mit der richtigen Methode kann man jeden Akkord bestimmen.
Mit der richtigen Methode kann man jeden Akkord bestimmen.

Auch hier liegen zwei Töne nebeneinander, also steht der Akkord momentan nicht in der Grundstellung. Das G wird eine Oktave tiefer notiert und schon haben wir wieder drei Terzschichtung über dem Grundton G.

Jetzt werden wieder die Halbtonschritte gezählt. Vom ersten zum zweiten Ton müssen wir vier Schritte gehen, vom zweiten zum dritten nur drei. Damit haben wir einen G-Dur-Akkord mit kleiner Septime. Diesem Akkord kommt in der Musik eine besondere Bedeutung zu, deshalb hat er einen speziellen Namen: Dominantseptakkord.

Die dritte Harmonie des Präludiums ist ein Dominantseptakkord auf dem Ton G.
Die dritte Harmonie des Präludiums ist ein Dominantseptakkord auf dem Ton G.

Präludium in C-Dur – noch ein Tipp

Halte dich bei der Analyse von Akkorden immer an diesen eindeutigen Fahrplan. Zusätzlich kannst du mit unseren Akkord-Workshops arbeiten und so zum Akkord-Profi werden. Besonders klassische Klavierstücke werden dir dann viel leichter fallen, weil du immer mehr verstehst, was harmonisch in den Kompositionen steckt. Viel Erfolg!

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