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Test: Rhodes MK8 – Klang, Technik und Preis des neuen Vintage-E-Pianos

Rhodes MK8 - Front (Bildquelle: Rhodes Music)
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Das Rhodes ist zurück – neu entwickelt, kompromisslos gebaut und mit einem Preis, der Fragen aufwirft. Gemeinsam mit Keyboarder Christian Frentzen (Till Brönner, Max Mutzke u.a.) haben wir uns angeschaut, warum das Rhodes MK8 weit mehr ist als eine nostalgische Neuauflage.

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Das Fender Rhodes gehört zu den berühmtesten Vintage Electric Pianos aller Zeiten. Vielen ist es wohl der Inbegriff des Electric Piano, denn es ist DER Piano-Sound der 60er/70er in Rock, Pop, Jazz, Soul, R&B, Funk. 

Von Ray Charles über die Doors bis zu Jazzrock-Stars wie Herbie Hancock oder George Duke – unzählige Musiker haben den Sound des Fender Rhodes berühmt gemacht. Und er lebt bis heute weiter. Verständlich, dass die alten Vintage-Schätze nach wie vor heiß begehrt sind. Daher ist die Frage berechtigt…:

Kann man einen Mythos überhaupt neu erfinden?

Denn genau das macht jede Neuauflage so schwierig: Wer ein Rhodes baut, misst sich nicht nur an einem Instrument, sondern an einer Legende.

Mit dem Rhodes MK8 wagt die Marke genau diesen Schritt. Ein vollständig neu entwickeltes Rhodes-Piano – gebaut in England, handgefertigt, technisch modernisiert und preislich in einer Liga, in der man eher an einen Konzertflügel als an ein elektrisches Piano denkt.

Rhodes MK8 - Classic
Ganz klassisch Rhodes – und doch sieht alles ein wenig anders und vor allem moderner aus. (Bildquelle: Rhodes Music)
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Warum selbst Sample-Spezialisten ins Schwärmen geraten

Christian Frentzen beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Rhodes-Instrumenten. Viele Keyboarder kennen seine hochwertige Sample-Library „CFrentzen Rhodes“, die gerade auch auf den dynamischen Klang und die vielen kleinen besonderen Klangdetails des Rhodes einfängt – mit all seinen Ecken und Kanten.

Gerade deshalb ist seine Einschätzung besonders spannend. Denn obwohl moderne Software inzwischen erstaunlich authentisch klingt, bleibt das Spielgefühl eines echten elektromechanischen Instruments etwas Eigenständiges.

Ein Rhodes reagiert auf jede Nuance des Anschlags. Kleine Unterschiede in Dynamik und Spielweise verändern den Charakter des Tons unmittelbar. Genau diese organische Interaktion macht den besonderen Reiz aus – und erklärt, warum selbst hervorragende virtuelle Instrumente das Erlebnis nur teilweise ersetzen können.

➡️ Schau dir auch den Test auf Youtube an!

Rhodes MK8 im Video-Test
Rhodes MK8 im Video-Test mit Christian Frentzen (Mitte).

Mehr als nur Vintage-Romantik

Wer sich mit klassischen Rhodes-Pianos beschäftigt, weiß: Der Zauber besteht nicht nur im Klang. Es ist das gesamte Spielerlebnis.

Mechanik, Anschlag, das feine Schwingen der Tines, kleine Nebengeräusche, das charakteristische Tremolo sowie weitere Effekte wie Phaser, Wah-Pedal, Delay/Echo, Federhall – all diese Details sorgen dafür, dass ein echtes Rhodes lebendig wirkt. Genau deshalb gilt es bis heute als eines der ausdrucksstärksten elektrischen Tasteninstrumente überhaupt.

Gleichzeitig waren historische Instrumente nie perfekt. Unterschiedliche Tastengewichtungen, Wartungsaufwand und mechanische Eigenheiten gehörten fast zwangsläufig dazu.

Das MK8 versucht deshalb einen interessanten Spagat: Es möchte den Charakter bewahren, ohne dessen Schwächen zu übernehmen.

Testsetup Rhodes MK8 - Hughes & Kettner era 2
Edles Testsetup mit tollem Sound: Rhodes MK8 mit zwei Hughes & Kettner Amps (era 2 Wood).

Hochwertige Verarbeitung

Beim ersten Blick fällt auf, wie gut das Instrument verarbeitet ist – das konnte man von den damals neu hergestellten Fender Rhodes E-Pianos ganz sicher nicht behaupten. Nichts wirkt zufällig beim Rhodes MK8, nichts improvisiert. Das moderne Design wirkt dabei dezent und bringt den Look von damals in die heutige Zeit. 

Es sieht einfach toll aus, wobei der Hersteller Rhodes Music die Möglichkeit bietet, Ausstattung und Look individuell zu gestalten – mehr dazu hier.

Alles vertraut, aber doch neu gedacht

Überarbeitet wurde das Pedal, welches nicht mehr über eine einfach Stange an das Damper-Bar andockt. Es ist über einen Bowdenenzug verbunden. Ebenso erfreulich ist das neue Stativ, das eher wie ein Keyboardständer konstruiert und damit viel robuster ist als die winkelig einschraubbaren Einzelbeine eines alten Fender Rhodes.

Rhodes MK8 open
Tines, Tone Bars, Pickups, Holztasten, Hammermechanik – das Tonerzeugungsprinzip gleicht dem alten Fender Rhodes, aber mit Verbesserung im Detail. Die Intonierung unseres Testinstruments war optimal und präzise.

Nahezu jede Baugruppe wurde neu entwickelt. Die Mechanik arbeitet präziser, die Tastatur gleichmäßiger und die gesamte Konstruktion vermittelt den Eindruck eines modernen High-End-Instruments – ohne den vertrauten Rhodes-Charakter aufzugeben.

Gerade Spieler, die originale Vintage-Modelle kennen, dürften schnell bemerken, dass hier vieles vertraut wirkt, sich aber gleichzeitig kontrollierter und souveräner anfühlt. Wenn ich mich an mein neu gekauftes Fender Rhodes Ende der 70er erinnere – die Tastatur, Pedal und Mechanik arbeiteten bei weitem nicht so präzise wie das beim neuen Rhodes MK8 der Fall ist – und es war längst nicht so perfekt intoniert.

Klang, der weit über Nostalgie hinausgeht

Natürlich kauft niemand ein Rhodes ausschließlich wegen seiner Optik. Entscheidend ist der Klang.

Und genau hier zeigt das MK8, dass es nicht einfach eine Kopie vergangener Jahrzehnte sein möchte. Der Grundsound besitzt die typische Wärme und Transparenz, für die Rhodes-Pianos berühmt wurden. Gleichzeitig eröffnet die integrierte Elektronik Möglichkeiten, die frühere Instrumente nur mit zusätzlichem Equipment boten.

Drive, Equalizer, Kompressor und das legendäre Stereo-Tremolo sind direkt integriert und laden dazu ein, den Klang weit über klassische Jazz- oder Soul-Sounds hinaus zu formen.

Von sanft schimmernden Flächen bis hin zu aggressiven, beinahe gitarrenähnlichen Sounds wirkt das Instrument erstaunlich vielseitig.

Vari-Pan – Tremolo des 21. Jahrhunderts

Rhodes MK8 - Preamp, EQ, Vari-Pan
Gehört zur Grundausstattung des Rhodes MK8: Preamp, EQ & Vari-Pan (Bildquelle: Rhodes Music)

Dieser spezielle wabernde Sound des Rhodes stammt aus der Suitcase-Variante. Dort „Vibrato“ genannt, bewegt der Effekt den Sound zwischen dem rechten und linken Speaker hin und her. Unser Testgerät bot die Vollausstattung mit Effekten – so auch den Tremolo-Effekt, der aber hier deutlich erweitert ist und Vari-Pan heißt. 

Man bekommt die klassische Amplituden-Modulation, kann diese in Tiefe und Geschwindigkeit einstellen. Letztere lässt sich aber so stark erhöhen, dass Ringmodulator-ähnliche Effekte entstehen wie sie damals Joe Zawinul gerne am Rhodes einsetzte. Darüber hinaus kann man sogar die Wellenform der Modulation ändern. 

Preamp: Mehr als Drive

Auch das ist ein starkes Sounddesign-Tool, denn die Einstellmöglichkeiten überragen die des alten Fender Rhodes Suitcase-Modells weit. Der Preamp ermöglicht eine feine Justage von eben leicht saturiertem Sound bis zu völlig durchgezerrt. 

Selbst der EQ kann mehr!

Ebenso der EQ – er ist nicht einfach ein 3-Band-Equalizer mit parametrischen Mitten. Die Midrange umspannt 100-2000Hz und kann mittels Gain um 15dB abgesenkt oder erhöht werden, was schon reichlich Klangänderung bedeutet. Man kann die Mitten aber auch dynamisch steuern. Per Envelope Follower sind dann Auto-Wah-Effekte möglich und ein weiterer klassischer „Rhodes-Effekt“ ist gleich mit eingebaut.

Sound & Qualität first!

Preamp, EQ und Vari-Pan – das Vorhandensein dieser Elemente allein ist nicht ausschlaggebend, sondern ihre Klangqualität. Es sind die Basis-Bausteine für klassische Rhodes-Sounds – und sie klingen immer warm, analog, fett. Keine digitale Simulation. Alles echt, alles hochwertig.

Sounddesign mit Effekten & Control

Neben den Grundbausteinen Preamp, EQ und Tremolo gibt es klassische Effekte, die den authentischen Rhodes-Sound ausmachen. Sie gehören einfach als Ausdrucksmöglichkeit dazu. Einen Effekt haben wir schon in der EQ-Sektion entdeckt: Auto-Wah-Effekte mithilfe der Mittenmodulation.

Hinzu kommt eine Control-Sektion, in welcher man vier Funktionen den zwei möglichen Expression-Pedalen zuweisen kann, um diese per Fußpedal zu steuern: Volume, Freq (EQ-Mid), Pan Rate und Pan Depth.

Insert für externe Effekte

Sehr nützlich ist die Möglichkeit, externe Effekte in den Signalweg des Rhodes MK8 einzuschleifen. Um das auszuprobieren, hat Christian Frentzen seine Lieblingseffekte mitgebracht: Ein Moogerfooger Phaser und als Echo/Delay/Reverb-Gerät den Strymon El Capistan, die über den wirklich rauscharmen Insert-Loop des Rhodes MK8 ihren Sound voll entfalten konnten.

Starke Effekt-Sektion

Rhodes MK8 - FX-Section
Die FX-Sektion ist ausschließlich analog aufgebaut und optional konfigurierbar: Compressor, Chorus, Phaser, Delay. (Bildquelle: Rhodes Music)

Dann aber gibt es noch eigene Effekte, die Rhodes Music optional anbietet. Wenn man das Rhodes MK8 seiner Wahl entsprechend konfiguriert, dann bekommt man noch Compressor, Chorus, Phaser und Delay. Gesteuert werden die Effekte mit 2-Wege-Potis. So regelt man z.B. beim Chorus mit dem inneren Poti die Modulationsgeschwindigkeit (Rate), während der äußere Ring die Modulationstiefe (Depth) regelt.

Wie schon eben erwähnt – auch hier setzt das Rhodes MK8 auf echte Analog-Technik. Der Stereo-Chorus basiert auf der BBD-Technik, ganz so wie das Stereo-Delay. Auch hier ist die Klangqualität einfach mega. Mit dem Delay lassen sich die krassesten Feedback-Spielchen treiben, und der Sound versinkt dabei nicht im Rauschen wie man das von Delay-Stompboxen aus den 70ern eigentlich immer erwarten kann.

Ganz klassisch klingt auch der 4-Stage-Phaser und mit dem Compressor kann man den Sound richtig schön snappy einstellen. Das funktioniert gerade auch im Zusammenhang mit dem Drive im Preamp hervorragend. Auch wenn man die Effekte kombiniert bleibt der Sound in Studioqualität. Und man bleibt eigentlich immer im Sweetspot – egal, was man einstellt.

Ein Preis, der Diskussionen auslöst

Die gebotene Qualität lässt einen tatsächlich ins Schwärmen geraten. Wäre da nicht der stolze Preis, den man für das Rhodes MK8 hinblättern darf. Je nach Ausstattung bewegt sich das Instrument deutlich im fünfstelligen Bereich.

Natürlich stellt sich sofort die Frage: Kann ein E-Piano so viel Geld wert sein? Die Antwort hängt stark davon ab, aus welcher Perspektive man schaut.

Für authentische Rhodes-Sound findet man heute hervorragende Software-Instrumente, die einen Bruchteil kosten. Das MK8 verfolgt jedoch ein anderes Ziel. Es möchte nicht einfach einen Klang liefern, sondern ein Instrument sein, das über Jahrzehnte hinweg gespielt, gepflegt und geschätzt wird – ganz ähnlich wie hochwertige Gitarren oder Konzertflügel.

Rhodes MK8 oder Rhodes V8?

Die hervorragende Klangqualität ist selbstredend in das hauseigene Piano-VST eingeflossen. Man kann die Nähe tatsächlich auch spüren, wenn man das Rhodes V8 Pro spielt und mit dem Original vergleicht. Und doch kann es letztendlich mit dem Original nicht ganz mithalten.

Vergleich: Rhodes MK8 vs. Rhodes V8 Pro
Spannender Vergleich mit Überraschungen: Rhodes MK8 vs. V8 Pro mit vielen A/B-Beispielen.

Es ist einfach ein Unterschied, den man beim Spielen spürt. Selbst mit der aufwendigen hochauflösenden Layer-Technik des Rhodes V8 erreicht es nicht die feine Auflösung eines echten elektromechanischen E-Pianos. Schon gar nicht die eines so präzise und hochwertig verarbeiteten Rhodes MK8. 

Das Rhodes V8 ist etwas für den Produktionsalltag im Studio, wo man den schnellen Zugriff auf auf gespeicherte Sounds braucht. Es ist auch genau der Ort, wo sich die vielfältigen Intonationsmöglichkeiten der Pro-Version bezahlt machen. Das Original für eine Aufnahme anders zu intonieren, kostet viel mehr Zeit und Arbeit. Insofern macht die Kombination von beidem absolut Sinn. Immer dann, wenn es aufs Detail und zu 100% auf die Performance ankommt, dann ist das Rhodes MK8 die erste Wahl.

Rhodes MK8 konfigurieren

Der Preis des Rhodes MK8 hängt freilich davon ab, welche Ausstattung man möchte. Rhodes Music ist eine Manufaktur, die das Instrument nach den Vorgaben der Kunden von Hand fertigt. Im Konfigurator auf der Website stellt man daher sein Wunschinstrument zusammen, bevor es dann gebaut wird.

Rhodes MK8 konfigurieren
Der Konfigurator der Rhodes-Website. Die Konfiguration entspricht unserem Testgerät.

Die Basisausstattung ist klassisch in schwarz gehalten und beinhaltet Preamp, EQ und Vari-Pan. Der Preis: ca. 9.500,- Euro. Kommt das FX-Panel hinzu, liegen wir bei knapp 11.000,- Euro. Wir legen noch einmal ca. 1.500,- drauf, um die MIDIfizierung einzuplanen. 

Alle weiteren Optionen betreffen dann die Gehäuse-Varianten: Mit z.B. Silver Sparkle legen wir weitere 400,- Euro drauf, während der transparente Deckel wie in unserem Video knapp 600,- Euro kostet. Wer dann noch auf das Gehäuse aus Walnus Wert legt: Aufpreis knapp 1.000,- Euro.

Bei der Planung sollte man unbedingt auch darauf ein Auge haben: Das Stativ ist optional und kostet knapp 500,- Euro.

Fazit: Ein Instrument zum Staunen

Manche Instrumente erinnern uns einfach daran, warum wir Musik lieben. Meine spontane Erfahrung mit dem Rhodes MK8: Man setzt sich an dieses Instrument und spielt. Kein Gedanke wie z.B. „ist es so authentisch wie das Original?“. Es ist das Original. Punkt. Dabei ist es neu und verbessert in genau in genau den richtigen Details. Und das macht für mich ganz klar den Unterschied zum alten Fender Rhodes – selbst wenn es in gut erhaltenem Zustand und gut intoniert ist.

Der Vergleich zur anderen Seite: Piano-VST oder eben digitale Stagepianos kann man als „alltagstauglich“ bezeichnen, auch wenn es für die meisten von uns die Realität bedeutet. Aber an einem echten Rhodes zu spielen ist wahre Liebe.

Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf das Rhodes MK8 – selbst dann, wenn es vermutlich immer ein Traum bleiben wird.

Rhodes MK8 – Übersicht

Erhältlich seit: 2022
Tastatur: Holztastatur, 73 Tasten, Hammermechanik
Polyfonie: 73 Stimmen
Piano-VST: Rhodes V8 / Rhodes V8 Pro
Besonderheiten: Echte elektromechanische Tonerzeugung, in vielen Details verbessert
Hersteller/Vertrieb: Rhodes Music



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Jörg Sunderkötter

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