Pro und Contra
Live spielen mit dem Stagepiano – dafür braucht man kräftige Lautsprecher, die nicht nur laut sind, sondern auch bei hoher Lautstärke klar im Sound bleiben. Eine beliebte Lösung für diese Anwendung sind Acoustic Amps. Wie schlägt sich also der Hughes & Kettner era 1.
Aber klar – eigentlich sind Acoustic Amps Gitarrenverstärker. Und bekanntlich sind Gitarren-Amps für Keyboard-Sounds nicht wirklich geeignet. Warum also jetzt doch ein Gitarren-Amp? Acoustic Amps unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von den Brüllwürfeln, die man sonst für E-Gitarren nimmt.
Acoustic Amps sind so konzipiert, dass sie live on Stage akustische Gitarren verstärken. Speziell hier ist kein verzerrter, Klang-formender Sound gefragt, sondern genau das Gegenteil davon:
Acoustic Amps sollen eine möglichst unverfälschte Klangübertragung gewährleisten, damit das akustische Instruments mit allen Feinheiten und der ganzen Dynamik gut rüberkommt.
Kräftig, aber klar soll ein Acoustic Amp klingen – und damit wären auch schon die Anforderungen an einen guten Keyboard-Amp definiert.
Was einen Acoustic Amp wie den Hughes & Kettner era 1 außerdem so interessant macht, ist die kompakte und robuste Bauweise von Gehäuse und Komponenten. Der Hughes & Kettner era 1 ist mit seinen knapp 11kg durchaus als tragbar zu bezeichnen, bringt aber noch andere Eigenschaften mit, die ihn für den mobilen Einsatz ausweisen.
Sämtliche Bedienelemente liegen gut geschützt nach unten versetzt, sind aber an der Oberseite trotzdem gut zu erreichen. Außerdem gehört ein robuster Überzug zum Lieferumfang, der eine Aussparung für den kräftigen Tragegriff lässt.

Der Hughes & Kettner era 1 ist daher gut zu transportieren. Im Cover sind dann auch noch das Netzkabel und ein Bügel untergebracht, mit dessen Hilfe der Amp auch mit leicht angewinkelter Speaker-Front aufgestellt werden kann. Man kann ihn so auch als Floor-Monitor auf der Bühne aufstellen.

Solide 250 Watt treiben das Wiedergabesystem des Amps an, welches sich aus einem 8“-Speaker und einem 1“ Hochtöner zusammensetzt. Letzterer liefert die klaren Höhen, die wir auch bei der Übertragung von akustischen Klavierklängen oder etwa crispen Rhodes-Sounds schätzen.
Mit dem 8“-Speaker gelingt dem Hughes & Kettner era 1 dann der perfekte Mix. Ich bin begeistert, welche fetten Bässe der era 1 produziert, wenn man mal in die tieferen Register der Tastatur langt. Kräftig – aber, ohne auch nur ein bisschen boomy zu wirken. Auch im Bass bleibt der Sound klar und aufgeräumt. In der Dynamik verhält sich der Amp sehr sauber und bietet mehr Tiefe und Ausdrucksmöglichkeiten als z.B. der kleinere Hughes & Kettner era C.
Entscheidend aber für die Güte eines solchen Amps im Live-Einsatz ist die Übertragung der Mitten. Tatsächlich vermittelt sich hier die ganze Qualität des Hughes & Kettner era 1: Der Amp kann richtig zupacken, ohne dabei aber aufdringlich nasal oder kalt zu wirken – gerade bei höheren Lautstärken neigen Stagepianos schon mal dazu. Richtig laut spielen macht mit dem era 1 einfach nur Spaß.
Der Sound des era 1 wirkt ausgewogen, hat dennoch den gewissen Live-Charakter. Ein gut durchsetzungsfähiger Sound, der aber auch Feinheiten wie Saitenresonanzen, Key-Off-Effekt und andere Details nicht verschleift. Das Amp-System scheint einen äußerst komfortablen Headroom zu haben, denn selbst bei hohen Lautstärken bleibt der Hughes & Kettner era 1 seinem transparenten Klangverhalten treu.
Zum Anschluss von Instrumenten besitzt der Hughes & Kettner era 1 insgesamt vier Kanäle, auch wenn man zunächst nur drei Kanäle im Panel sieht. Die Buchsen befinden sich an der Rückseite.

Die Kanäle 1&2 sind hier als Combo-Buchsen ausgeführt und können Line- und Mikrofon-Signale verarbeiten. Phantomspeisung lässt sich getrennt zuschalten, falls man Kondensator-Mics einsetzen möchte.
Der dritte Eingang ist eine stereo ausgeführte 3,5mm-Miniklinkenbuchse. Der Amp wird damit freilich nicht stereo, aber er kann Stereo-Signale verarbeiten für den Fall, dass man einen Player anschließen möchte. Über den Line-Out des Amps wird das zugespielte Signal wiederum stereo ausgegeben. Und sogar einen optischen Digital-Ausgang gibt’s.

Kanal Nr. 4 dient als FX-Loop. Es gibt einen Send-Bus für die Kanäle 1&2, um deren Signalmix an ein externes Effektgerät zu schicken. Das Effekt-Signal wiederum wird über den – ebenfalls stereo ausgelegten – Input in das Audio-System des Hughes & Kettner era 1 zurückgesendet.
Der vierte Kanal ist aber mehr als ein FX-Loop, denn man kann dort auch den Mix aus Kanal 1&2 per Line-Out ausgeben, z.B. um nur deren Signale allein vor dem Master-Ausgang aufzunehmen. Sofern man mit Playbacks spielt, behält man sich alle Optionen, den Sound des Instruments hinterher separat bearbeiten und mischen zu können.

Der Vorteil des FX-Loops: Man spart Kabelsalat am Instrument. Vor allem aber können externe Effekte parallel mit den internen des Amps genutzt werden. In den Kanälen 1&2 gibt es jeweils einen Regler für die Effekt-Lautstärke.
Im Amp selbst gibt’s aber bereits Effekte. Dabei stehen 16 Presets zur Wahl mit Hall, Delay sowie auch Effektkombination aus Delay + Reverb oder Chorus + Delay. Nicht alle Presets, aber die meisten können individuell für die beiden Instrumenten-Kanäle eingestellt werden.
Zur klanglichen Justage gibt’s pro Kanal (1&2) einen 3-Band-EQ und außerdem noch ein Notch-Filter in der Master-Sektion – ganz praktisch, um akustische Raumresonanzen in den Griff zu bekommen.
Na klar – Stagepianos sind stereo ausgelegt. Und der kann sich über einen Mono-Amp nicht ganz so entfalten, wie man sich das wünschen würde. Konsequenz ist also, dass man zwei era 1 braucht. Das mag in der Praxis etwas umständlicher erscheinen, wer jedoch mit einem Submixer arbeitet, wird sich daran kaum stören. Die Amps verhalten sich dann ganz einfach wie Aktiv-Monitore.
Allerdings braucht man nicht für jeden Zweck immer zwei Amps. Für Proben oder kleine Session-Gigs reicht es auch, wenn man mit nur einem Amp antanzt. Immer dann, wenn man das volle Brett fahren will, setzt man beide Amps ein. Im Vergleich mit einer Mini-PA ist das natürlich viel flexibler.
Der era 1 ist eine starke Konkurrenz für den AER Compact 60 – über viele Jahre schon ist es der Acoustic Amp, der nicht nur von Gitarristen, sondern ebenso von Live-Keyboardern geschätzt wird. Der AER Compact 60 ist jedoch gut ein Drittel teurer als der era 1 und kann hinsichtlich Ausstattung, Flexibilität und Leistung nicht ganz Schritt halten.

Aber der era 1 hat sogar noch Konkurrenz aus eigenem Hause, denn man hat die Wahl zwischen insgesamt drei Modellen: Es gibt noch den größeren era 2 und den noch kompakteren era C. Bei allen drei Modellen hat man die Wahl zwischen zwei Ausführungen: Entweder die schwarze Version mit robuster Hammerschlag-Lackierung oder – wenn’s exklusiver sein darf – die Wood-Ausführung. Letztere liegt im Preis immer etwas höher.
Vom Hughes & Kettner era 1 bin ich schlichtweg begeistert. Direkt und durchsetzungsfähig im Klang bleibt der Amp im gesamten Übertragungsbereich auch bei hohen Lautstärken sauber. Dabei ist der kleine Amp äußerst flexibel und jeden Euro wert.
Als einzelner era 1 liefert bereits alles, was man von einem guten Keyboard-Amp erwartet. Es macht wahnsinnig Spaß, damit zu spielen – egal, ob einzelnen oder als Stereo-Paar.
Im Proberaum, als Bühnen-Monitor oder als zuverlässige Verstärkung bei Session-Gigs, als Übungsverstärker daheim. Dank stereo Aux-In plus 2 Mic-Line-Kanäle reicht der Amp mit seinen 250 Watt locker aus, um darüber auch Unplugged-Gigs mit mehreren Instrumenten und Vocals zu bestreiten.

Erhältlich seit: 07.2017
Leistung: 250 Watt
Kanäle: 4, Ch 1&2, Aux In, FX-Loop
Besonderheiten: Zwei Ausführung – Black und Wood – erhältlich
Hersteller/Vertrieb: Hughes & Kettner/Thomann
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Pro und Contra
Als einzelner era 1 liefert bereits alles, was man von einem guten Keyboard-Amp erwartet. Es macht wahnsinnig Spaß, damit zu spielen - egal, ob einzelnen oder als Stereo-Paar.
Stylisches Design, smarte Bedienung, viele gute Piano-Sounds und eine gute Ausstattung der neuen Casio Privia PX-S7000, PX-S6000 & PX-S5000.
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